Eindrücke vom Vortrag mit Alexander Wendt »Verachtung nach unten«

Wieder ein gut gefüllter Saal in Loschwitz bei der Lesung von Alexander Wendt. — Foto: Hayek-Verein

»Nicht Wutbürger sind gefährlich,
sondern die Elite, die sie verachtet«

Demokratieabbau und Radikalisierung — deshalb Argumente rational ohne moralische Diskreditierung austauschen

Aus unserer Redaktion. — Dresden, 14. November 2025

»Der deutsche Staat beschäftigt 5,4 Millionen Menschen in seinen Diensten, davon 1,8 Millionen Beamte und Richter. Das heißt, er besetzt mit ihnen Ämter und Behörden und zahlt ihnen ein Gehalt aus Steuermitteln. Darüber hinaus beschäftigt er noch eine statistisch nirgends erfasste Zahl von Bürgern. Allerdings ohne Bezahlung. Er nimmt den Normalexistenzen also nicht nur laut Bund der Steuerzahler 52,9 Cent von jedem verdienten Euro, sondern auch noch einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit.«

Alexander Wendt in: „Fröhlich, kriminell, locker: Warum Mr. Cash Money unser nächster Kanzler werden muss“, 8.10.2025

 

Eine weitere gut besuchte Vortragsveranstaltung führten wir am Montag, dem 10. November 2025 im BuchHaus Loschwitz durch. Obwohl unseren Gastgebern und auch dem Referenten noch das strapaziöse Wochenende mit der BücherMesse SeitenWechsel in Halle in den Knochen steckte, konnten wir den Journalisten und Autor Alexander Wendt begrüßen. Er hielt einen Vortrag und las aus einem Buch »Verachtung nach unten«.

Im Folgenden wollen wir einige Stichpunkte aus seinem Vortrag anbieten, die vielleicht Appetit machen, das Buch zu kaufen und zu lesen:

◾ Die Kernthese seiner Ausführungen:
Die deutsche Elite (Politik, Medien, Kultur) verachtet das eigene Volk – besonders die untere Mittelschicht und die Arbeiter. Diese „Verachtung nach unten“ ist kein Zufall, sondern systematisch und dient der Selbstlegitimation der Oberschicht.

◾ Eine der mehrfach wiederholten Forderungen:
Wir müssen wieder miteinander reden. Unabhängig von der politischen Haltung sind die Argumente rational auszutauschen, ohne moralische Diskreditierung. [Anmerkung des Autors: Auch wenn es persönlich etwas schwerfällt, wenn das Gegenüber mit der geschwungenen Moralkeule an mein Portemonnaie will. Moral als Waffe zur Durchsetzung von Politik, was gibt es da noch für Argumente?]


Hauptargumente

◾ Klassenverachtung als Haltung
Eliten sehen „das Volk“ als dumm, rückständig, rassistisch („Pack“, „Dunkeldeutschland“). Beispiele: Reaktionen auf Pegida, AfD-Wähler, Corona-Proteste.

◾ Sprachliche Demütigung
Begriffe wie „Nazi“, „Covidiot“, „Klimaleugner“ dienen nicht der Debatte, sondern der Abwertung. Ziel: Delegitimierung statt Diskurs.

◾ Doppelte Moral
Eliten fordern Toleranz, leben aber in abgeschotteten Milieus (Prenzlauer Berg, Grünwald). Kritik an „Privilegien“ gilt nur für andere.

◾ Medien als Verstärker
Öffentlich-rechtliche Sender & Leitmedien betreiben moralische Überhöhung und Volksverachtung. Beispiel: Berichterstattung über Energiewende, Migration, Gender.

◾ Historische Parallelen
Vergleich mit DDR-Nomenklatura und Weimarer Eliten: Wer das Volk verachtet, verliert es.


Folgen

◾ Demokratieabbau: Misstrauen in Institutionen wächst.

◾ Radikalisierung: Verachtete wenden sich ab oder radikalisieren sich.

◾ Kultureller Bruch: Deutschland spaltet sich in „oben“ und „unten“.


Wendts Lösung

◾ Eliten müssen zuhören statt belehren. Respekt vor Lebensrealitäten (Miete, Energiepreise, Sicherheit). Wiederherstellung von Diskurs statt Moralkeule.


Alexander Wendt machte immer wieder deutlich: »Die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Wutbürger – sondern die Elite, die ihn verachtet.«

Fazit: Ein plakativer, polemischer Angriff auf die deutsche Meinungselite – mit scharfer Beobachtung, aber wenig Zartgefühl nach oben. Wendt dreht also den Spieß um: Nicht das Volk ist das Problem – sondern die, die es geringschätzig behandelt. Diese Diagnose wurde mit Beifall und lebhafter Zustimmung quittiert und weiter diskutiert. Wieder ein gelungener Abend mit nachhaltigen Eindrücken und Erkenntnissen in Loschwitz.

DER AUTOR

Alexander Wendt, geboren 1966 in Leipzig, schrieb seit 1989 als Journalist und Autor u. a. für die Welt, den Stern, den Tagesspiegel, Wirtschaftswoche und Focus. 2005 gründete er die Galerie Quartier in Leipzig, die er bis 2010 leitete. Seitdem ist er mit Texten (u.a. bei Publico https://www.publicomag.com/) und Büchern bekannt geworden. Alexander Wendt lebt und arbeitet in München.

DAS BUCH

Alexander Wendt: Verachtung nach unten: Wie eine Moralelite die Bürgergesellschaft bedroht – und wie wir sie verteidigen können. ‎372 Seiten. Olzog/Lau-Verlag (2024)

In »Verachtung nach unten« zieht Alexander Wendt die Maske von jenen moralischen, vom Steuer- und Gebührenzahler alimentierten Bürokraten herunter, die mit „woke“ und Identitätspolitik als Vorwand jeden offenen Diskurs als vermeintliche Sünde ächten. Er zeigt, wie aus aufgeklärter Gesinnung ein rigides Regime der Gesinnungsverwaltung entsteht, das systematisch individuelle Meinungsäußerung kontrolliert und aburteilt. Wendt seziert das ideologische Konstrukt dieser Moralelite mit der Präzision eines Strategen: Begriffe wie „kritische Rassentheorie“ und diversitätspolitische Dogmen dienen nicht der Toleranz, sondern der instrumentellen Macht über das Denken. Ihre Methoden gleichen klassischen Machtstrukturen, die einmal etabliert, alle Lebensbereiche in einen moralisches Zwangskorsett pressen. Die Folge ist eine Gesellschaft, in der der einzelne Bürger zunehmend schweigt, aus Angst vor sozialer Ächtung und beruflicher Exklusion, jüngst exekutiert an Julia Ruhs für objektive Berichterstattung. Wer nicht in die Schablonen passt, wird sanktioniert – ein Zustand, der der vierten Gewalt im Staat, der freien Meinungsbildung, den Boden entzieht und letztlich jede liberale Ordnung untergräbt. Wendt liefert keine blutleeren Analysen, sondern einen klaren Plan zur Rückeroberung der Freiheit: eine selbstbewusste Bürgergesellschaft, die sich an klassischen Aufklärungsprinzipien orientiert und individuelle Verantwortung über moralische Gängelei stellt. Er ruft dazu auf, das Korsett der Gesinnungsdiktatur zu sprengen und den freien Diskurs als Lebenselixier einer offenen Gesellschaft zu verteidigen. »Verachtung nach unten« ist damit nicht nur Enthüllung, sondern Schlachtruf – ein Appell an jeden, der sich der Willkür einer selbsternannten Sauberkeitspolizei nicht beugen will. Es ist die Aufforderung, die Flamme der Freiheit hochzuhalten und die Zensoren am Werk zu entmachten. Wer die Freiheit aufgibt, um seine Ruhe zu bewahren, wird am Ende beides verlieren. (Verlagstext)