Buchvorstellung mit Dr. Eike Lauterbach: »Rechtsbankrott«
von Ralf Schutt
Unangemessen lange U-Haft
Erschütternde Einblicke in die gegenwärtigen Zustände „unsererDemokratie“ mit einem authentischen Bericht
Aus unserer Redaktion. — Dresden, 28. März 2026
»Ich bearbeite viele Fälle mit politischem Hintergrund, wo man die Gelegenheit hat, den Rechtsstaat mal von einer anderen Seite kennenzulernen, aber so einen formaljuristischen Irrsinn habe ich wirklich noch nicht erlebt. […] Gut, daß Frau Dr. Lauterbach nicht schweigt, sondern zum einen juristisch weiterkämpft, und zum anderen diese vollkommen absurde Geschichte auch in die Öffentlichkeit trägt.«
Martin Kohlmann, Rechtsanwalt und Strafverteidiger, im Vorwort zum Buch
Am 26. März 2026 hatten wir im Kulturhaus Loschwitz einen Vortragsabend organisiert, den wir mit folgenden Worten angekündigt hatten: »Wir laden ein zu einer Buchvorstellung mit Frau Dr. Eike Lauterbach. Sie hatte gegen Coronamaßnahmen demonstriert und war später verhaftet und 169 Tage in U-Haft gehalten worden. Sie berichtet nun in ihrem Buch „Rechtsbankrott“ über Erniedrigungen und Schikanen während dieser Zeit. Kommen Sie gern zu dieser Veranstaltung und machen Sie sich aus erster Hand ein Bild davon, wie mit Kritikern der offiziellen Staatsräson umgegangen werden kann.«
Unser Vorsitzender Dr. Reinhard Günzel führte in das Thema ein und begrüßte freundlich vor dem gut gefüllten Saal die Referentin. Er erklärte den Zuhörern, dass Frau Dr. Eike Lauterbach formal noch nicht als unschuldig gelten kann, da kein Freispruch erging und ein Berufungsverfahren noch läuft. Zum juristischen Gehalt des Verfahrens können wir deshalb nur die subjektive Meinung der Redaktion wiedergeben. Wir kritisieren aber aufs Schärfste die unangemessen lange U-Haft, die deutlich über das bei der Verhaftung zu erwartende Strafmaß hinauszugehen scheint.
Frau Dr. Eike Lauterbach ist gehbehindert und zu 70 Prozent gehandicapt. 2020 beteiligte sie sich an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. Als die Polizei die Versammlung auflöste, kam es zu einem Handgemenge, weil Frau Lauterbach nicht imstande war, so schnell wie gefordert den Platz zu verlassen. Unmittelbar hatte dies keine Konsequenzen, aber vier Jahre später, als sie sich politisch betätigen und für den Stadtrat von Leipzig kandidierte wollte, wurde sie am 17. Juni 2024 verhaftet. Als Haftgrund wurde ihr eine Körperverletzung bei der Demonstration von 2020 angelastet. Die zarte Frau solle einem Polizisten eine Fahnenstange über den behelmten Kopf geschlagen haben. Nach vielen Wochen, die sie in verschiedenen Gefängnissen zubringen mußte, kam es zur Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft vermochte es nicht, den angeblich geschädigten Polizisten als Zeugen zu benennen. Offenbar gab es keinen von Frau Lauterbach verletzten Polizisten. Glücklicherweise existiert ein Video der Szene, das Frau Lauterbach entlastet. Sie mußte freigelassen werden und macht nun einen Anspruch von 75 Euro Haftentschädigung für jeden Tag hinter Gittern geltend.
Frau Dr. Eike Lauterbach stellte ihre Erinnerungen mit dem Tagebuch »Rechtsbankrott« vor. Sie sieht das Justizsystem kritisch, denn die Bedingungen während der Haftzeit waren oftmals menschenunwürdig und wären in anderen Ländern als Folter gebrandmarkt worden. Frau Lauterbach ist aber ungebrochen, denn sie meint: „Das einzige, was wir verlieren können, ist das Leben.“
Wir danken Frau Dr. Eike Lauterbach für die erschütternden Einblicke in die gegenwärtigen Zustände „unsererDemokratie“ und verweisen für die weitere Vertiefung auf ihren authentischen Bericht in ihrem Buch »Rechtsbankrott«.
DIE REFERENTIN
»Eike Lauterbach ist promovierte Dolmetscherin für Russisch und Englisch mit einem Magisterabschluß in der Betriebswirtschaftslehre. Sie studierte in Leipzig, Moskau (Russland), Norwich (Großbritannien). Die Autorin lebt in Leipzig und arbeitet als Dolmetscherin und Übersetzerin.« (Verlagstext)
DAS BUCH

Dr. Eike Lauterbach: Rechtsbankrott. 169 Tage unschuldig in Haft. Mit einem Vorwort von Martin Kohlmann und einem Anhang „Hans Fallada – Stimme aus den Gefängnissen“ (1925). 200 Seiten. Nordland-Verlag (2025) ⋙ Link
ZUM BUCH
»[...] „Rechtsbankrott“ von Dr. Eike Lauterbach ist ein brisantes Zeitdokument über die gesellschaftspolitischen Zustände […] von Beginn bis Mitte der 2020er Jahre. Eindrücklich und eindringlich schildert die promovierte Autorin, wie sie vier Jahre nach einer Demonstration gegen die repressiven Coronamaßnahmen des Staats aufgrund einer dubiosen Zeugenaussage plötzlich verhaftet wurde, da sie damals angeblich einen Polizisten angegriffen hätte. Doch die Verhaftung erfolgte nicht aus heiterem Himmel. Ihre U-Haft erfolgte erst, als sie ihre politischen Partizipationsrechte für die Partei der „Freien Sachsen“ wahrnahm. […] Das Buch ist ein wahres Meisterwerk, das sich in eine lange Reihe großartiger Justiz- und Strafrechtsliteratur in der Tradition von Kafka und von Schirach einreihen lässt. Wie alle wertvolle Literatur stößt „Rechtsbankrott“ nicht nur fundamental wichtige Denkprozesse beim Leser an, sondern wird auch Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei der Leserschaft zur Folge haben. Ein Dokument des zivil-demokratischen Widerstands gegen eine zunehmend ihre Maskierung fallenlassende Meinungs- und Gesinnungsdiktatur, die sich mit brutalsten Mitteln zur Erhaltung der eigenen Macht gegen ihr eigenes Volk wendet und dieses weiterhin unterdrückt.« (Aus dem Verlagstext. — Die hier in Teilen zitierte Einschätzung des Verlages entspricht nicht in allen Punkten der Meinung der Redaktion.)