Hubert Milz: Veranstaltungsbericht XX. Gottfried von Haberler Konferenz
von Ralf Schutt
Politiker der etablierten Parteien
züchten die populistischen Pflanzen
Die marktwirtschaftliche Überlegenheit muss – bei jedem Thema, ob Rente oder Bildung – dem Staat entgegengesetzt werden.
Aus unserer Redaktion. — Dresden, 25. Juni 2026
Von HUBERT MILZ | Am 29. Mai 2026 fand die XX. Gottfried von Haberler Konferenz beim ECAEF in Vaduz statt. Am Vorabend der Konferenz nahm Dr. Peter Fischer (NZZ) beim Dinner mit einer launigen Tischrede – „Prophete links – Prophete rechts, die Freiheit in der Mitten“ – Kurs auf die Konferenz, die sich heuer um das Generalthema „Austrian Economics at Work“ (Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre in der Praxis) drehte.
Fischer merkte an, dass Europas Weg durch unzählige sozialistische Tendenzen, den daraus sprießenden Fehlentwicklungen, Verzerrungen und Knebelungen behindert und gelähmt wurde und wird. Trotz dieser Lasten schafften es die mitunter kümmerlichen Reste von Marktwirtschaft, Wettbewerb und Freiheit Europas Wirtschaft und Gesellschaft – gemessen an Lebenserwartung und allgemeinem Wohlstand – auf ungeahnte Höhen zu hieven.
Fischer hob jedoch lobend hervor, dass insbesondere das Fürstentum Liechtenstein eine Ausnahme bildet, sozusagen ein Paradebeispiel der Lehren der „Österreichischen Schule der Volkswirtschaftliche“, die Schule, für die alles nichts ohne individuelle Freiheit ist, die zeigt, dass freier Wettbewerb und Handel das dezentrale Wissen bündeln, um derart dem dynamischen Marktprozess Raum zu lassen, so dass Unternehmergeist, Eigenverantwortung und Marktwirtschaft die allgemeine und individuelle Wohlfahrt stetig steigern.
Leider wird diesem Beispiel im übrigen Europa kaum gefolgt. Im Osten will Putin als neostalinistischer Despot Russland zur alten Größe führen und mittels Bildungspolitik bei den Jüngeren die dekadenten Ideen des Liberalismus ausmerzen. Es keine Überraschung, dass Russland im Zustande eines sozialistisch-planwirtschaftlichen Rohstoffstaats mit verarmender Bevölkerung verharrt. Und im Westen tritt US-Präsident Trump als Freiheitsgegner auf. Mittels protektionistischer Maßnahmen will er die USA groß machen. Es wundert nicht, dass sich Putin und Trump sympathisch finden. Leider erhalten beide in weiten Teilen Europas immer mehr Anhänger, weil die Politiker der etablierten Parteien seit etlichen Jahren Probleme verschleppen, um derart die populistischen Pflanzen von „Links“ und von „Rechts“ zu düngen und zu züchten.
Konferenzbeginn mit Mitstreitern von Präsident Milei
Die eigentliche Konferenz begann dann am 29. Mai. Philipp Bagus – Ökonomieprofessor an der Universität Rey Juan Carlos in Madrid – gab einen persönlichen Rückblick auf den ihm gut bekannten argentinischen Präsidenten Milei. Bagus übergab dann das Rednerpult an den ihm, wie die Anmoderation deutlich machte, auch gut bekannten argentinischen Ökonomieprofessor Adrian O. Ravier, einem Mitstreiter Präsident Mileis.
Ravier zeigte, dass Milei 2023 nach seiner Wahl ein schweres ökonomische Erbe anzutreten hatte – ökonomische Instabilitäten und Verwerfungen jedweder Art waren immens. Nichtsdestotrotz, Ravier schilderte, dass Milei die Herausforderungen annahm und seine Art der „Austrian Economics at Work“ erfolgreich ist in Sachen deftige Verkleinerung des aufgeblähten Staatsapparats mittels Entbürokratisierung; eine konsequente Fiskal-, Geld- und Wechselkurspolitik, die zu einem Nulldefizit, einem ausgeglichenen Haushalt und dem Brechen der Inflationskultur führt; ebenso zeichnen Mileis Maßnahmen Erfolge auf der institutionellen Ebene durch Deregulierung, Dezentralisierung, Subventionsabbau und konsequente Strukturreformen – die Maßnahmen gewinnen an Dynamik und signalisieren: Argentinien ist auf dem rechten Weg.
Session I – Freie Märkte als praktikable Lösungen I
Chairman Dr. Peter Fischer führte kurz ins Thema ein. Er merkte an, dass der Markt für optimale Allokation sorgt, vorausgesetzt, dass die Eigentumsrechte garantiert sind und der Staat dem Wettbewerb und der freien Preisfindung nicht im Wege steht. Was der Staat nicht schafft, nämlich Neider und totale Egoisten zu zwingen sich in den Dienst aller zu stellen, das schafft der institutionelle Rahmen des Marktes, dies wussten und wissen ökonomische Denker wie Adam Smith, David Hume, Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek, Israel Kirzner, Walter Eucken und viele andere. Trotz dessen, die marktwirtschaftliche Überlegenheit muss – egal bei welchem Thema, ob Rente oder Bildung – dem Staat stetig entgegengesetzt werden.
For ‘A Fistful of Dollars’: Low-cost private schools in Africa and Asia, and in the US
James Tooley – Professor für Educational Entrepreneurship und Education Policy an der Universität von Buckingham – referierte unter dem vielsagenden Titel „für eine Handvoll Dollar“ zum Thema Privatschulen.
Er demonstrierte auf Basis der Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre, dass in vielen Entwicklungsländern in den Slums und den ärmeren Gemeinden und Dörfern gerade die Einkommensschwachen „für eine Handvoll Dollar“ zum Wohle ihrer Kinder Privatschulen organisieren.
Geradezu beispielhaft im Sinne der durch Hayek geschilderten spontanen Ordnung gründeten und gründen Bildungsunternehmer dort Schulen. Schulen die – so James Tooley – die staatlichen Schulen, das Bildungsangebot der öffentlichen Hand qualitativ um Längen schlagen. Die dortigen staatlichen Schulen schulden – so Tooley – niemanden Rechenschaft, so dass (empirisch belegt) die staatlichen Lehrer zu gut 50 Prozent der angedachten Unterrichtszeit anderswo verbringen.
Nicht so bei den Privatschulen der Slums, dort wird unterrichtet, so dass Forschungsuntersuchungen mit Lob nicht geizen, als Beispiel hierfür sei das britische Entwicklungsministeriums genannt: „Schüler an Privatschulen tendenziell bessere Lernergebnisse erzielen als Schüler an staatlichen Schulen“.
Die für einige Teile der Welt erwartete, kulturell bedingte geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung finden sich in jenen Privatschulen der Armen nicht, vielmehr zeige sich, dass die Privatschulen der Armen die Stellung der Mädchen verbessern. Tooley merkte an, dass mit Blick auf Industrieländer wie USA oder England meist argumentiert wird, dass dort die öffentlichen Schulen nicht so schlimm wie in Entwicklungsländern sind und die vielfachen Annehmlichkeiten des Wohlfahrtsstaats die Anreize zur Initiative von Privatschulen der Armen unterdrücken.
Tooley zeigte jedoch, dass diese Argumente letztlich nicht stimmen, da auch in den US z. B. mit Hybridschule, Mikroschule und Heimschule kostengünstige Armenschulen den staatlichen Einrichtungen erfolgreich Konkurrenz machen. Auch in den armen Regionen der USA erhalten die Eltern „für eine Handvoll Dollar“ bessere Bildungsangebote für ihre Kinder – bspw. Klassenzimmer mit überschaubaren Schülerzahlen, während die Klassenzimmer an öffentlichen Schulen überfüllt und chaotisch sind.
Fazit, Tooley demonstrierte, dass generell (Entwicklungsland oder Industriestaat) auch auf dem Bildungssektor die privaten Bildungsunternehmen „für eine Handvoll Dollar“ qualitativ und quantitativ bessere Ergebnisse zeitigen als die Bildungseinrichtungen der öffentlichen Hand.
Die Weltbankstudie „Die Alterskrise abwenden“ – 32 Jahre später: Haben wir die Lehren daraus gezogen?
Das Fundament des Vortrags des promovierten Volkswirts Kristian Niemietz, Leiter der Abteilung Politische Ökonomie am Londoner Institut für Economic Affairs, war ein Weltbankbericht aus 1994, der damals die Folgen des demographischen Wandels zum Thema hatte.
Der Weltbankbericht-1994 signalisierte sozialen Sprengstoff und prognostizierte für die kommenden Jahrzehnte – bei Nichthandeln durch die Politik – den Zusammenbruch der sozialen Sicherungssysteme des Westens, insbesondere stand die Systeme der Altersvorsorge im Fokus, die vorwiegend auf das Umlagesystem vertrauen.
Der Rentenreformvorschlag des Weltbank hieß: „Drei-Säulen-System“. In diesem Modell spielt die Umlagefinanzierung der Rente nur noch eine Nebenrolle, sie soll nur Grundsicherung und Mindestrente sein. Wichtiger sind die beiden anderen Säulen, die beide kapitalgedeckt sein sollen – oder anders ausgedrückt, durch privates Sparen vorfinanziert sind: Altersvorsorge durch obligatorisches Sparen und zweitens die Altersvorsorge über private Altersvorsorgekonten.
Derartige vorfinanzierte Pensionsfonds würden als Kapitalrücklagen sicherlich auch stabilisierend für die Kapitalmärkte sein – anders formuliert, die Tendenz haben, um auf ein höheres Investitions- und Kapitalniveau hinzuwirken. Niemietz fasst dies wie folgt zusammen: „In vorfinanzierten Systemen erwerben Menschen Vermögenswerte; in Umlagesystemen erwerben sie politische Versprechen.“
Drei Jahrzehnte später lässt sich festhalten, dass die sozialen Sicherungssysteme noch nicht zusammengebrochen sind, obwohl die Politiker OECD-Staaten den Ratschlägen der Weltbank bis auf extrem wenige Ausnahmen nicht gefolgt sind.
Der Zusammenbruch erfolgte jedoch nicht, weil der Weltbankbericht-1994 falsch war. Vielmehr haben die Politiker des Westens laufend mittels kosmetische Korrekturen, wie bspw. durch das Hochsetzen des Renteneintrittsalters, den finalen Systemzusammenbruch hinausgeschoben.
Vierzehn der 38 OECD-Staaten verfügen inzwischen über so etwas wie eine voll vorfinanzierte zweite Säule, die der geforderten zweiten Säule des Weltbankberichts in Ansätzen ähnelt – die Vorfinanzierungskomponenten pendeln inzwischen von unter 25% bis über 100% des BIP des jeweiligen Staates. Diese Werte liegen in Deutschland und Österreich nur im einstelligen Prozentbereich.
Ein paar persönliche Anmerkungen seien gestattet. Der Vortrag signalisierte meines Erachtens den Eindruck, als ob der Weltbankbericht-1994 der erste Bericht war, der die drängenden zukünftigen Probleme ansprach. Dem ist mitnichten so, schon etliche Jahre vorher machten ähnliche Berichte und Warnungen längst die Runde, so bspw. in Deutschland den 1983 von Herbert Giersch herausgegebenen Sammelband „Wie es zu schaffen ist. Agenda für die deutsche Wirtschaftspolitik“ oder die 1985 am Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik vorgestellte Studie „Gesetzliche Grundsicherung, private Vorsorge – der Weg aus der Rentenkrise“ von Meinhard Miegel und Stefanie Wahl.
Natürlich ist die umlagefinanzierte Rente abzulehnen, doch bei aller Zustimmung, es sollte nicht vergessen werden, dass parallel zum Aufbau der vorfinanzierten Vorsorgesäulen die Inflationspolitik in den wichtigen OECD-Staaten zu beenden ist. Denn, wenn die Inflationskultur nicht gebrochen wird, haben junge Menschen, die heute in Arbeit und Brot stehen, mindestens mit Faktor 3 zu sparen, um in vierzig Jahren einen realen Euro von heute genießen zu können. Abschließend, solange, wie die beiden zutiefst sozialistischen Eckpfeiler der Inflationskultur – „staatsmonopolistisches Zwangsgeld“ und „zentralplanwirtschaftliches Zinsdiktat“ – bestehen bleiben, kann es keine „Entstaatlichung des Geldes“ im hayekschen Sinne geben und folglich auch kein solides Geld.
Session II – Freie Märkte als praktikable Lösungen II
Chairman Malte Fischer, Wirtschaftsredakteur im Berliner Büro der NZZ, gab unter anderem auf Walten Eucken Basis der ordnungspolitischen Grundsätze der ordoliberalen Freiburger Schule einen Exkurs zur Wichtigkeit des Wettbewerbs, der gemäß des ordoliberalen Juristen Franz Böhm das genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte ist. Damit gab Fischer das Podium zur zweite Runde der Konferenz frei.
Gold, Bitcoin und die Österreichische Schule der Nationalökonomie
Der Fondsmanager Mark J. Valek machte sich Gedanken über die Vermögensanlage auf der theoretischen Basis der Geldlehre Carl Mengers, des Begründers der Wiener Schule der Volkswirtschaftslehre. Für die Wiener Schule gilt: „Das Geld ist nicht durch Gesetz entstanden; es ist seinem Ursprünge nach keine staatliche, sondern eine gesellschaftliche Erscheinung“.
Die Theorie der Wiener ist zwar seit Carl Mengers Zeiten verfeinert worden, doch die fundamentalen Aussagen blieben unverändert. Einfach ausgedrückt heißt dies, dass die Menschen das Geld nicht erfunden haben, sondern Geld wurde durch das Tätigwerden der Menschen im Marktgeschehen gefunden bzw. entdeckt – Geld ist ein Marktphänomen.
Georg Friedrich Knapp, der Schwiegervater des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss, publizierte 1905 sein Buch „Staatliche Theorie des Geldes“. In dieser hielt er den Wienern entgegen, dass das Geld kein Ergebnis des Marktprozesses ist, sondern das Produkt einer Rechtsordnung: „Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung“ – so die zentrale Aussage Knapps.
Historische Untersuchungen zeigen, dass das Geld älter ist als das, was heutzutage gemeinhin als Staat bezeichnet wird, so dass die theoretische und empirische Widerlegung der Lehre Knapps durch die Wiener korrekt ist.
Nichtsdestotrotz, Knapps Geldlehre setzte sich politisch durch. Die Machthaber der Staaten okkupier(t)en immer wieder solides Marktgeld, dreh(t)en dies in ein durch Gesetze erzwungenes staatliches Geldmonopol, so dass die staatlichen Machthaber dieses auf Kosten des Volkes zum eigenen Nutzen missbrauch(t)en. Historische und aktuelle Stichwörter des Geschehens sind –> Münzverschlechterung –> exzessive Ausweitung von Papiergeld –> Aufblähung des digitalen Fiatgeldes.
Murray Newton Rothbard befand prägnant, dass, wenn irgendwer die Chance erhält, um Geld zu drucken, dann auch gedruckt wird. Und selbst Alan Greenspan war noch 1966, also lange bevor er als Chef des FED-Systems gegenteilig agierte, der Ansicht, dass nur der Goldstandard vor einer Enteignung des Ersparten durch Inflation schützt. Eine Sicht, die auch Hayek vertrat, unter anderem deswegen plädierte er für die „Entstaatlichung des Geldes“.
Also hat Knapp gesiegt und das Marktgeld – in der Geschichte regelmäßig durch die Edelmetalle Gold und Silber repräsentiert – verloren? Nein, so einfach ist die Antwort nicht. Anhand eines hayekschen Zitats – „Ich habe es stets als nützlich empfunden, Studierenden zu erklären, dass es eher unglücklich ist, Geld als Substantiv zu bezeichnen, und dass es für das Verständnis monetärer Phänomene hilfreicher wäre, wenn «Geld» ein Adjektiv wäre – ein Begriff also, der eine Eigenschaft beschreibt, die verschiedenen Dingen in unterschiedlichem Maße eigen sein kann“ – machte Valek klar, dass darunter die „Geldigkeit“ zu verstehen ist, dass die unterschiedlichsten Güter „geldige“ Eigenschaften erfüllen können.
Mit Blick auf das Gold ist festzuhalten, dass dieses – trotz aller Verteufelungen als hässliches, barbarisches, gelbes Relikt – weiterhin wichtige monetäre Eigenschaften besitzt, so bspw. als stabiler Wertspeicher, weil Gold immer einen inneren Wert behält, während das staatliche Zwangsgeld schon oft in der Geschichte völlig wertlos wurde. Eben, Gold entzieht sich den Inflationsgelüsten der staatlichen Machthaber – oder mit Goethe gesprochen „nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles“. Gold ist Inflationsschutz – und trotz fehlender Verzinsung, Gold erzielt(e) häufig Überrenditen durch enorm steigende Nachfrage.
Vor diesem Hintergrund ordnet Valek auch den Bitcoin ein. Auch dieser schützt vor Inflation, da die Menge der Bitcoins mathematisch exakt begrenzt und der Bitcoin dem Griff der staatlichen Machthaber entzogen ist. Dies sieht selbst die EZB in einer Analyse aus 2012 so, sie ordnete damals den Bitcoin ein in den Kontext der Wiener Schule, sprich in Hayeks Konzept der „Entstaatlichung des Geldes“. Auch wenn das misesche Regressionstheorem beim Bitcoin nicht greifen kann, signalisiert der Bitcoin mit Blick auf die subjektive Wertlehre, dass die Nutzer des Bitcoins sehr wohl Nützliches im Bitcoin ausmachen können – und sei es nur dies, dass den staatlichen Machthabern der Zugriff auf den Bitcoin entzogen ist.
Folglich sollte neben Gold auch der Bitcoin als inflationssicheres Asset beim Aufbau eines Portfolios seinen Platz finden.
Protecting the Environment? Use Free Markets!
Der britische Zoologe Matt Ridley hatte den letzten Vortrag der Konferenz. Das Thema des 5. Viscount Ridley hieß „Umweltschutz? Nutzen Sie freie Märkte!“, ein Politikfeld, bei dem auch bürgerliche Politiker, die gerne die Vorteile von Wettbewerb und freien Märkte betonen, gerne den Markt geißeln. In Sachen Umweltpolitik schlagen auch jene Politiker regelmäßig sozialistische Rezepte vor, ganz im Sinne der Wege der Zentralplanung, weil der Markt bei Umweltproblemen und -fragen angeblich versagt.
Eine kühne Behauptung, weil nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums zu sehen war, dass die Umweltpolitik im ‚sozialistischen Paradies‘ des Ostblocks vielerorts geradezu Mondlandschaften hervorgebracht hatte. Im Vergleich dazu wirkte die Umwelt in der ‚kapitalistischen Hölle‘ des Westblocks tatsächlich geradezu paradiesisch. Nichtsdestotrotz, Umweltpolitik wird heute durch Umweltaktivisten als Antikapitalismus betrieben – die zugrunde liegende Ideologie ist grundsätzlich marktfeindlich, freiheitsfeindlich und letztendlich menschenfeindlich.
Der Blick zurück führt von den 1990er Jahren ins Heute und belegt klar und deutlich die Überlegenheit marktwirtschaftlicher Lösungsansätze über die Anmaßung des Wissens durch zentrale politische Planungen. Ob Meeresschutz, Schadstoffminderungen, Natur- und Artenschutz und vieles mehr, die Beispiele, die Ridley durchleuchtete, zeigen die Überlegenheit der marktwirtschaftlichen Lösungsansätze. So sind die Ergebnisse und Erfolge einer marktwirtschaftlichen Umweltpolitik dort, wo man Märkte und Preise zulässt – bspw. in vielen Teilen Afrikas oder auch Großbritanniens – regelmäßig besser, nachhaltiger, preiswerter und lösungsorientierter als z. B. in den USA, die vorrangig auf sozialistische Rezepte und Ansätze beim Umweltschutz setzen.
Marktwirtschaftliche Lösungsversuche erzeugen oftmals auch technische Innovationen, welche die Umweltprobleme sogar aufheben. Natürlich bekämpfen Umweltaktivisten insbesondere die technischen Lösungen vehement. Logisch, technische Lösungen machen die Umweltaktivisten, deren Lebenselixiere Verbote und Panikmache sind, überflüssig – den Umweltaktivisten wird durch technische Lösungen der Umweltprobleme die Existenzberechtigung entzogen. Es zeigt sich, Umweltaktivisten sind nun einmal keine Philanthropen, sondern eher Misanthropen. Letztlich lässt sich festhalten, dass, mit Blick auf das ungute Agieren der Umweltaktivisten, an den Worten des 2023 verstorbenen Diplom-Bibliothekars Martin Gerhard Reisenberg viel Wahres ist: „Als es noch keine Umwelt gab, war auch die Natur gesünder“.
Im Anschluss an diesen Vortrag fand eine Gruppendiskussion der Referenten statt, die von Malte Fischer moderiert wurde und in welche zum Ende hin auch das Publikum eingebunden wurde, und zwar durch Fragen, die aus der Versammlung gestellt wurden. ■
DER AUTOR
Hubert Milz wurde 1956 geboren, arbeitete nach dem Studium mehr als drei Jahrzehnte in der Energiewirtschaft und ist nun Rentner im Unruhestand. — Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Vereins wieder und werden hier als Diskussionsbeitrag veröffentlicht.
VERTEIDIGER DES FREIEN HANDELS
Gottfried Haberler (* 20. Juli 1900 in Purkersdorf, Österreich-Ungarn; † 6. Mai 1995 in Washington, D.C., bis 1919 von Haberler) war ein österreichisch-amerikanischer Ökonom. Gottfried Haberler studierte an der Universität Wien bei Friedrich von Wieser und Ludwig von Mises. Nach seiner Promotion 1925 setzte er seine Studien in England und den Vereinigten Staaten fort. Er lehrte von 1928 bis 1936 an der Universität Wien, an der London School of Economics und von 1936 bis 1971 an der US-amerikanischen Harvard-Universität. Er entwickelte zusammen mit Arthur Spiethoff das ökonomische Konjunktur-Phasenmodell, daneben beschäftigte er sich mit dem internationalen Handel. Ab 1950 war er erster Präsident der International Economic Association. 1980 wurde er mit dem internationalen Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet. In London war David Rockefeller einer seiner Studenten. Nach seinem Zeugnis stand Haberler „im Ruf, ein vehementer Verteidiger des freien Handels zu sein. In den 1930er-Jahren, als Nationen rund um die Welt in den Sirenengesang vom Protektionismus einstimmten, wurden seine Ideen ignoriert, aber sie hatten eine große Wirkung, als der internationale Handel nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte und das Weltwirtschaftswachstum dramatisch stieg.“ Im Jahr 1963 stand Haberler der American Economic Association als gewählter Präsident vor. (Wikipedia)
ECAEF
Webseite der European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) — XX. Gottfried von Haberler Konferenz ⋙ Link