Begrüßungsrede von Dr. Reinhard Günzel zum Sommerfest 2026
von Ralf Schutt
Nachfrage nach Unfreiheit
Privateigentum und persönliche Verantwortung führen zu mehr Freiheit und Wohlstand als jedes kollektivistische Experiment
Aus unserer Redaktion. — Dresden, 25. Juni 2026
Am 20. Juni begingen wir unser Sommerfest 2026. An drei langen Tafeln im Hotel Weltemühle fanden zahlreiche Gäste und auch Freunde der Atlas-Initiative Platz und bei kühlen Getränken Erholung von der sommerlichen Hitze. Unser Vorsitzender Dr. Reinhard Günzel skizzierte in seiner Begrüßungsrede die politische Lage, in der auch unser Hayek-Verein gefordert ist. Schließlich hatten wir auf der RollUp-Dekoration den Slogan angebracht: »Nicht die Demokratie ist bedroht, sondern unsere Freiheit«. In diesem Sinne merkte Dr. Reinhard Günzel an: »Wer Kollektivrechte einführt, schmälert die Bürgerrechte.«
Von Dr. REINHARD GÜNZEL | Es gibt Wahrheiten, die man nur hinter vorgehaltener Hand ausspricht. Eine davon lautet: Die meisten Menschen wollen geführt werden. Nicht aus Dummheit, sondern weil Verantwortung ein schweres, unbequemes Gepäck ist, das man lieber anderen aufbürdet. Rund achtzig Prozent der Bevölkerung sehnen sich nach Orientierung und nach jemandem, der ihnen die Last der Entscheidung abnimmt. Wer das geplante Rentenpaket der Regierung begrüßt und die Beimischung eines Aktienfonds bejubelt, reagiert regelmäßig irritiert auf die Frage, warum er das nicht längst selbst getan hat.
Und genau diese 80 Prozent sind das Rohmaterial, aus dem politische Mehrheiten gegossen werden. Nur die Politiker, denen es gelingt, mit kühnen Versprechen und Eloquenz, wenn es nicht anders geht, auch mit dem Mittel der Täuschung, sich hier Gehör zu verschaffen, die gewinnen das Spiel um Macht und Einfluss, jenes Spiel, genannt repräsentative Demokratie.
Unter den restlichen zwanzig Prozent, jenen, die führen wollen und Verantwortung nicht scheuen, zieht es viele in die Politik – mit dem klaren Ziel, Führungspositionen einzunehmen und ein gutes Einkommen auf Kosten der Steuerzahler zu erzielen. Hier beginnt das Drama, das sich seit Jahrhunderten wiederholt und in Europa gerade einen neuen Höhepunkt erreicht.
Minderheit orientiert sich an Abwehrrechten des Bürgers
Als Protagonisten in diesem Drama sind rasch die Politiker ausgemacht, die sich in zwei Lager einteilen lassen. . Auf der einen Seite eine kleine Minderheit, deren Handeln sich an Abwehrrechten des Bürgers und am Schutz des Privateigentums orientiert. Auf der anderen Seite jene mit kollektivistischem Weltbild – Politiker, die Menschen, die die Freiheit fliehen, den Käfig hinstellen: gut gepolstert, mit Rundumversorgung. Die ungebrochene Nachfrage nach diesen Käfigen verleiht dem Drama seine Dynamik.
Kollektivisten träumen von gleichem Lebensniveau für alle. Das klingt edel, ist aber vor allem bequem. Ihr eigentlicher Antrieb ist selten die reine Sorge um das Gemeinwohl. Es ist der Wille zur Macht, manchmal getarnt als Vision, oft nur der Drang nach einer gut bezahlten Position im Apparat und der angenehmen Rolle des moralisch Überlegenen.
Diese Leute führen Kollektivrechte ein – Kinderrechte, die Eltern von Erziehern zu Betreuern degradieren, Anspruchsrechte für Zugewanderte, die die einheimische Bevölkerung stillschweigend zur Kasse bitten. Sie definieren Opfergruppen nach Bedarf: Opfer des Kolonialismus, des Patriarchats, des Klimas, des strukturellen Rassismus. Wer immer gerade nicht ins Raster passt, wird kriminalisiert, zum Täter erklärt.
Meinungsfreiheit wird zur verhandelbaren Größe
Doch wer Kollektivrechte einführt, schmälert die Bürgerrechte oder schafft sie ganz ab, ebnet den Weg in den Totalitarismus. Wer deren Politik hinterfragt, liegt in ihren Augen grundsätzlich falsch, und ist immer schlecht und unehrenhaft, kalt und herzlos.
Das spart die Auseinandersetzung mit Argumenten. Gleichzeitig schüren sie Neiddebatten, weil Neid die billigste Form der Solidarität ist. Sie versprechen das Paradies auf Erden, sobald genug umverteilt, reguliert und umerzogen wurde. Heraus kommt Wokismus als Staatsdoktrin, die Kriminalisierung von Meinungsäußerungen, eine Klimareligion, die Wohlstand für Luxusprobleme opfert, und positive Diskriminierung, die neue Ungerechtigkeiten schafft, während sie alte zu heilen vorgibt. Meinungsfreiheit wird zur verhandelbaren Größe, NGOs werden zum verlängerten Arm der Macht, und am Ende predigt man auch noch Kriegsertüchtigung, weil die eigene Politik das Land erst wehrlos gemacht hat.
Der Ausgang ist regelmäßig derselbe: Chaos und ein schleichender Untergang der gewachsenen Ordnung. Die versprochene Gleichheit endet in der Gleichheit der Armut. Nicht weil die Motive immer böse wären, sondern weil das kollektivistische Weltbild die Realität systematisch leugnet. Es ignoriert Anreize und menschliche Natur, glaubt, ökonomische und Naturgesetze auf politischem Wege außer Kraft setzen zu können, und behandelt den Staat als Allheilmittel für Probleme, die er selbst geschaffen hat.
Der Einzelne kommt selbst besser mit seinem Leben zurecht
Der andere Teil der zwanzig Prozent denkt anders. Er stellt Privateigentum und persönliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Er ist in der Regel liberal, libertär oder konservativ geprägt – nicht aus Dogmatismus, sondern weil diese Haltungen der Erfahrung entsprechen, dass der Einzelne selbst besser mit seinem Leben zurechtkommt als mit Hilfe eines anonymen Apparats. Ihr Ideal ist der freie Bürger auf freiem Boden. Gleiche Rechte für alle, auch wenn die Lebensverhältnisse unterschiedlich sind. Das schließt das Recht ein, zu scheitern. Es schließt auch das Recht ein, erfolgreich zu sein, ohne dafür bestraft zu werden.
Diese Haltung verspricht kein Paradies. Sie führt aber zu mehr Freiheit und Wohlstand als jedes kollektivistische Experiment, weil sie mit der menschlichen Natur arbeitet statt sie umerziehen zu wollen. Weil sie Anreize setzt statt Verbote zu erlassen. Weil sie weiß, das ökonomische und Naturgesetze nicht durch politische Akte außer Kraft gesetzt werden können. Und weil sie den Staat als notwendiges Übel begreift und nicht als Heilsbringer.
Der Kern des großen Gesellschaftsdramas: Immer und immer wieder fallen die vielen, die geführt werden wollen, auf kollektivistische Versprechen herein– jene mit den schöneren, Bequemlichkeit verheißenden Worten und den lauteren moralischen Appellen. Und dem Versprechen, dass niemand mehr verlieren muss. Es wird dabei ausgeblendet, dass Kollektivismus als Staatsform historisch stets das Ticket in den Niedergang, in eine armselige, unfreie Welt ist.
Die Chance in der Krise zu Umkehr und Erneuerung
Hinzu kommt: Die Verkünder eines Lebens in Freiheit und Eigenverantwortung wirken für gewöhnlich nüchtern, manchmal sogar hart. Sie bieten keine Erlösung an, nur die Chance, selbst etwas aus seinem Leben zu machen. Das scheint vielen weniger attraktiv. Deshalb gewinnt auf kurze Sicht meist die Seite, die das Paradies verspricht – und auf lange Sicht verliert die Gesellschaft, die ihr geglaubt hat. Doch in der Krise liegt regelmäßig auch die Chance zu Umkehr und Erneuerung.
Damit diese gelingt, braucht es eine klare intellektuelle Basis – ein Immunsystem gegen die Versuchungen des Interventionismus, wie es die Österreichische Schule und der klassische Liberalismus formuliert haben. Ohne diesen Kompass fällt eine Gesellschaft beim ersten Gegenwind in alte Muster zurück.
Theorien überzeugen Intellektuelle. Das Volk braucht zusätzlich charismatische Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben und vermitteln: „Privateigentum schützt dich und deine Familie. Bürgerrechte garantieren Freiheit von staatlicher Willkür. Kollektivrechte heben diesen Schutz auf.“
Ein solcher charismatischer Führer ist Milei. Er zeigt, dass die Transformation einer unfreien, kollektivistischen und wirtschaftlich bankrotten Gesellschaft in eine freiheitliche Ordnung keine Utopie ist, sondern möglich.
Die Geschichte ist nicht zu Ende. Sie beginnt immer wieder neu – mit der Entscheidung zwischen Freiheit und Bequemlichkeit. ■
DER AUTOR
Dr. Reinhard Günzel ist Dipl.-Physiker im Ruhestand. Ab 2016 versammelte er libertär gesinnte Mitstreiter zu monatlichen Treffen, aus denen dann unser Hayek-Verein Dresden e. V. hervorging, dessen Vorsitzender er ist. Folgen Sie ihm auf Telegram: https://t.me/opakalypse Seine Kolumne erscheint bei Freiheitsfunken (Link).